BMBF fördert Forschungsprojekt der ReTest GmbH und der Hochschule Karlsruhe zur Automatisierung von Softwaretests mit rund einer halben Million Euro

Software ist heute allgegenwärtig und gewinnt im Zuge des sogenannten digitalen Wandels weiter an Bedeutung. So arbeiten Unternehmen zunehmend an der Digitalisierung ihres Kerngeschäfts, um mit der schnelllebigen und sich ständig ändernden Außenwelt Schritt zu halten. Doch auch Software muss sich diesen Bedingungen anpassen, was dazu führt, dass die zugrundeliegende Codebasis nahezu täglich angepasst wird. Diese Änderungen dürfen die Anwendung nicht negativ beeinflussen. Kontinuierliches Testen stellt daher eine unerlässliche Tätigkeit dar, die maßgeblich über den Erfolg oder Misserfolg der Software entscheidet. Wesentlich ist hierbei die Automatisierung verschiedener Testaktivitäten, um bestmögliche Effektivität, Effizienz und Testabdeckung zu erreichen. Dabei sind insbesondere automatisierte Systemtests über die grafische Benutzerschnittstelle (engl. Graphical User Interface, GUI) sehr umstritten. Sie gelten als teuer, langsam und brüchig, wodurch meist ein hoher Wartungsaufwand entsteht. Oftmals werden viele dieser Tests sogar manuell ausgeführt – eine unbeliebte, aufwendige und kostenintensive Tätigkeit.

Basierend auf retest, einer innovativen Testsoftware aus Karlsruhe, widmet sich das Forschungsprojekt Surili nun dieser Problematik. Seit April dieses Jahres forschen die ReTest GmbH und die Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft (HsKA) unter Leitung von Prof. Dr. Martin Sulzmann aus der Fakultät für Informatik und Wirtschaftsinformatik sowie Daniel Kraus seitens der ReTest GmbH an der GUI-Testautomatisierung komplexer Geschäftsanwendungen. Durch das Ableiten von Modellen der zu testenden Software soll umfangreiches Wissen – wie z. B. Verhaltensmuster menschlicher Tester – erlangt werden. Anhand dieser Informationen und mithilfe modellbasierter Optimierungsverfahren soll eine künstliche Intelligenz in Form genetischer Algorithmen und neuronaler Netze autonomes Testen in der Cloud ermöglichen. Dabei sollen funktionale sowie nicht funktionale Anforderungen berücksichtigt und auch die Testpflege automatisiert werden. Die Ergebnisse sollen hierbei mittels modernster Reporting- und Monitoring-Mechanismen verständlich und detailliert erläutert werden.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert das dreijährige Vorhaben mit rund einer halben Million Euro. Neben der ReTest GmbH und der Hochschule Karlsruhe nimmt auch die Disy Informationssysteme GmbH als assoziierter Anwendungspartner teil und unterstützt das Projekt bei der Evaluation der Forschungsergebnisse. Am 3. Mai 2018 trafen sich die Teilnehmer gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das als Projektträger agiert, bei der ReTest GmbH, um innerhalb eines Kick-off-Meetings das Projekt zu starten. Die angestrebte Anwendung besitzt großes Potenzial, Unternehmen eine Effektivitäts- und Effizienzsteigerung zu ermöglichen, indem die Erstellung, Ausführung und Pflege von GUI-basierten Systemtests hochautomatisiert wird.

Kick-off-Meeting bei der ReTest GmbH
Beim Kick-off-Meeting (v. l. n. r.) Konstanze Schurig (DLR), Dr. Andreas Abecker (Disy Informationssysteme GmbH), Wolfgang Milszus (DLR), Daniel Kraus (ReTest GmbH), Dr. Jeremias Rößler (ReTest GmbH), Johannes Dillmann (ReTest GmbH), Prof. Dr. Martin Sulzmann (HsKA).
Gefördert vom BMBF
Das BMBF fördert das Forschungsprojekt Surili unter dem Förderkennzeichen 01IS17092A.

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Dr. Jeremias Rößler
Dr. Jeremias Rößler

hat am Lehrstuhl für Softwaretechnik an der Universität des Saarlandes promoviert und besitzt über zehn Jahre Berufserfahrung in der Entwicklung von Individualsoftware.
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